Donnerstag, den 29. September 2016: Pointe des Eboulis (2607m)

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Kletterpartie auf Geröllfeldern und Ausblicke, die im Kopf bleiben

An diesem Tag erwartete uns die Königsetappe unserer bisherigen Wanderungen. Einerseits erwarteten uns auf einer Strecke von 3km 1100 Höhenmeter, die wir uns mühsam erklettern mussten. Andererseits muss ich jeodch sagen, dass der perfekte vorherige Tag nochmal getoppt wurde.

Nach dem dritten Tag Wandern und dem zweiten Berg nahmen wir den Monte Cinto (2706m) in Angriff. Die Sonne war zwar schon aufgegangen, leuchtete aber noch nicht ins Asco-Tal. Das Licht mit dem Kiefernwald war umso schöner. Die ersten 2 Kilometer waren fast ohne Höhenmeter, aber nachdem wir den Tighiettu-Bach auf einer geländerlosen Brücke überquert hatten, begannen die Kletterpassagen. Und zwar Kletterpassagen vom Feinsten - mal mit, mal ohne Ketten.

Oft schauten wir ungläubig den nächsten Wegmarkierungen hinterher, "geht es wirklich da rauf?". Ja, es ging da rauf. Man konnte nur nach oben schauen. Der schiefe Turm von Asco (La Tour Penchée, 2116m) hing bedrohlich über unseren Köpfen. Relativ sahen wir schon den Cinto und dachten "da wollen wir hoch?".

Seit der geländerlosen Brücke war es eine einzige Felsenwüste, hier und da gespickt von buschwüchsigen Grün-Erlen. Zum Glück waren die Felsen rutschfest ohne Ende, aber später, noch weit unter der Bocca Borba (2207m) mussten wir fortan auf Geröllfeldern laufen. Geröllfelder mit Kletterpassagen, eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe.

Zur gleichen Zeit weitete sich hinter uns der Blick auf den Kamm mit der Muvrella, Punta Culaghia und Punta Stranciacone, auf dem wir am vorherigen Tag die Gratwanderung gemacht hatten. Von dort aus hatte ich schon einen Teil des heutigen Weges gesehen und gemutmaßt, dass es nicht ganz so leicht werden würde.

Ein schönes Phänomen der Berge ist, dass wenn man immer höher geht, andere Berge immer kleiner werden: der Tour Penchée wirkte auf einmal winzig und unser Hotel umso kleiner. Die Felsenwand des Cinto wurde allerdings nicht kleiner, sie kam nur stetig etwas näher.

Nach einem kleinen Plateau unterhalb der Bocca Borba ging es nochmal sehr steil die Geröllfelder zur Pointe des Eboulis (2607m) hinauf. Nach fünfeinhalb Stunden waren wir schließlich dort angekommen und konnten eine unfassbar schöne Aussicht genießen. Von hier aus, etwa 100 Höhenmeter unterhalb des Monte Cinto schien er nicht mehr so unbezwingbar. Der Blick weitete sich auf das Niolu-Tal mit den Monte Cardo, Monte Rotondo, Monte d'Oro, Punta Artica, Paglia Orba, Punta Minuta, Calvi, A Muvrella und Monte Padru.

Es ist mit Worten nicht zu beschreiben. Ich empfand ein ungeheures Glücksgefühl in diesen Momenten. Leider war die Zeit schon so fortgeschritten, dass wir den Cinto schweren Herzens "liegen" ließen, wollten wir doch spätestens zu Sonnenuntergang im Hotel ankommen. Denn Klettern im Dunkeln ist trotz Stirn- und Handylampe keine gute Idee.

Wie auch schon am Vortag gestaltete sich der Abstieg als äußerst mühsam, denn auf Geröll hinunterzuklettern ist nicht ganz einfach. Diesmal war der Abstieg (mit 1100 Höhenmetern bis zur geländerlosen Brücke) auch deutlich länger als am Vortag.

Zähne zusammenbeißen und los. Als wir auf dem Plateau unterhalb der Bocca Borba ankamen, fühlte es sich schon wie im Tal an, dabei waren wir hier immer noch auf über 2100 Metern über dem Meer. Also ging es weiter hinunter - immer weiter hinunter. In solchen Kletterpassagen ist der Abstieg immer schwerer als der Aufstieg. Wir brauchten genauso lang mit dem Abstieg wie mit dem Aufstieg.

Wie auch am Vortag bildeten sich ganz plötzlich Wolken, ließen den Cinto zwar frei, hüllten aber den schiefen Turm ein. Auf einmal herrschte eine ganz mystische Stimmung.

Nach einer halben Ewigkeit sahen wir endlich die Brücke, die einfach nicht näherrücken wollte. Als wir sie nach den schwersten Kletterpartien endlich erreichten, war es fast Sonnenuntergangszeit. Dabei hatten wir noch 2 km zu laufen. Dadurch, dass wir so spät waren, wurden wir Zeugen eines atemberaubendem Naturschauspiel - dem Bergglühen: Zwischen den Wolken sahen wir vereinzelte Bergspitzen rot aufleuchten. Wunderschön!

Pünktlich zum Sonnenuntergang, die letzten Berge hatten ausgeglüht, kamen wir völlig geschafft - aber glücklich - am Hotel an. Was für ein Tag! Wir müssten einen Ruhetag einlegen und das passte ganz gut, denn es war unsere dritte und letzte Nacht in Haut-Asco und somit würden wir den nächsten Tag viel im Auto verbringen............. so der Plan!

Statistiken des Tages

Die folgende Tabelle zeigt die Statistiken unserer Wanderung mit der Länge in km, den positiven Höhenmetern in m und der Dauer in Std. Zusätzlich zeigt sie die mit dem Auto zurückgelegte Strecke in km. Eine Übersichtstabelle befindet sich auf der Übersichtsseite.
Diese Tabelle basiert auf ungefähren Werten und hat keinen weiteren Sinn.

Datum Be­schreib­ung Länge [km] Pos. hm [m] Länge [Std] Auto­fahrten [km]
29.09.16 Pointe des Eboulis 9,3 1242 10,5 -
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